
Wasserschildkröten
Wasserschildkröten halten und das Aquaterrarium richtig planen
Wasserschildkröten faszinieren durch ihr Verhalten im Wasser, ihre lange Lebensdauer und die große Vielfalt innerhalb dieser Tiergruppe. Gerade deshalb ist eine pauschale Haltungsempfehlung ungeeignet. Dieser Ratgeber ordnet Wasserschildkröten als Tiergruppe ein, zeigt die wichtigsten Unterschiede für die Terraristik und hilft dabei, ein Aquaterrarium oder Paludarium fachlich sauber zu planen. Er ersetzt keine artspezifische Detailrecherche, sondern schafft eine belastbare Grundlage für Auswahl, Technik, Einrichtung, Ernährung, Beobachtung und rechtliche Vorprüfung.
Wichtig ist vor allem eines: Wasserschildkröten sind keine einfachen Dekorationstiere für ein kleines Aquarium. Viele Arten werden groß, alt und technisch anspruchsvoll. Wer die Beckenplanung strukturiert angehen möchte, findet bei ZooSky24 mit dem Ratgeber Welches Terrarium passt zu welcher Tierart eine sinnvolle erste Vertiefung.
Kurze Einordnung der Tiergruppe
Im Hobby werden unter Wasserschildkröten vor allem stark wassergebundene oder semiaquatische Süßwasserschildkröten zusammengefasst. Gemeint sind also keine Meeresschildkröten, sondern Arten, die dauerhaft oder überwiegend in Gewässern leben und einen mehr oder weniger ausgeprägten Land beziehungsweise Sonnenplatz benötigen.
Zur Tiergruppe zählen unter anderem Schmuckschildkröten, Moschusschildkröten, Schlammschildkröten, verschiedene Karten oder Höckerschildkröten sowie einige Sumpfschildkröten. Typische Unterschiede innerhalb der Gruppe zeigen sich sehr gut an der Rotwangen Schmuckschildkröte, der Moschusschildkröte und der Europäischen Sumpfschildkröte. Schon diese drei Beispiele zeigen, dass Wasserstand, Schwimmraum, Struktur, Futteranteil, UVB Bedarf, Saisonrhythmus und langfristiger Platzbedarf nicht gleichgesetzt werden dürfen.
Welche Wasserschildkröten in der Terraristik wichtig sind
Schmuckschildkröten und ähnliche aktive Schwimmer
Schmuckschildkröten und ähnliche aktive Schwimmer benötigen viel nutzbaren Schwimmraum, kräftige Filterung, einen vollständig trockenen Sonnenplatz und langfristig ein sehr großzügig geplantes Becken. Gerade Arten aus dem Trachemys Umfeld werden häufig unterschätzt, weil Jungtiere klein wirken, adulte Tiere aber deutlich mehr Platz, Wasserstabilität und Technik benötigen.
Moschus und Schlammschildkröten
Moschus und Schlammschildkröten sind oft kleiner, aber deshalb nicht automatisch einfacher. Viele dieser Arten nutzen Struktur, Bodennähe, Kletterhilfen, Verstecke und sichere Ausstiege stärker als offene Schwimmfläche allein. Für solche Tiere zählt nicht nur Wassertiefe, sondern auch die Frage, ob sie sicher ruhen, atmen, klettern und sich orientieren können.
Sumpfschildkröten temperierter Herkunft
Sumpfschildkröten aus gemäßigten Klimazonen, etwa die Europäische Sumpfschildkröte, müssen besonders genau artspezifisch geprüft werden. Saisonrhythmus, Außenhaltung, Winterruhe, Schutzstatus und Herkunftsnachweise können hier eine größere Rolle spielen als bei rein tropisch gedachten Aquaterrarien. Eine Übernahme allgemeiner Wasserschildkrötenwerte ist hier zu grob.
Jungtiere und adulte Tiere
Jungtiere und adulte Tiere derselben Art können sich deutlich unterscheiden. Jungtiere benötigen oft stärker geschützte Bereiche, sichere Ausstiege und angepasste Fütterung. Adulte Tiere belasten das Wasser stärker, brauchen mehr Platz und können andere Futteranteile benötigen. Wer nur für das Jungtier plant, plant meist zu kurz.
Typische Haltungsunterschiede innerhalb der Tiergruppe
Die größte Fehlannahme bei Wasserschildkröten lautet, dass alle Arten ein ähnliches Standardbecken benötigen. Tatsächlich unterscheiden sich viele Arten deutlich. Einige sind kräftige Schwimmer und nutzen tiefe freie Wasserzonen intensiv. Andere laufen mehr am Boden, ruhen unter Wurzeln, nutzen flachere Zonen oder hangeln sich an Struktur entlang. Wieder andere profitieren stark von naturnaher Ufergestaltung, saisonalen Klimareizen oder einer gesicherten Teichhaltung im passenden Klima.
Auch die Ernährung ist nicht einheitlich. Viele Wasserschildkröten sind keine reinen Fleischfresser. Je nach Art und Alter kann der Anteil tierischer oder pflanzlicher Nahrung deutlich schwanken. Gerade Jungtiere fressen oft proteinbetonter, während adulte Tiere je nach Art stärker omnivor oder pflanzenorientiert werden können. Deshalb darf Futter nie nur nach Gewohnheit gewählt werden, sondern muss artspezifisch geplant werden.
Ebenso wichtig ist der Tagesrhythmus. Viele häufig gehaltene Wasserschildkröten sind tagaktiv und nutzen einen ausgeprägten Sonnenplatz. Innenhaltung ohne passende Licht und Wärmestruktur führt deshalb leicht zu Fehlern in Thermoregulation, Aktivität und Calciumstoffwechsel. Bei temperierten Arten kann zusätzlich eine artspezifische Prüfung von Jahresrhythmus und Winterruhe nötig sein.
Aquaterrarium, Paludarium und Grundausstattung
Für Wasserschildkröten ist meist kein klassisches Trockenterrarium, sondern ein Aquaterrarium oder je nach Art ein Wasser Land System sinnvoll. Wer einen ausgeprägten Landteil oder eine naturnähere Übergangszone einplanen möchte, findet bei ZooSky24 passende Paludarien. Entscheidend ist nicht die Optik des Beckens, sondern ob Schwimmraum, Ausstieg, Technikzugang, Reinigung und spätere Endgröße der Tiere zusammenpassen.
Zur Grundausstattung gehören in der Regel ein ausreichend großes Becken, ein sicherer trockener Sonnenplatz, geeignete Wärme und UV Technik über dem Landteil, ein leistungsfähiger Filter, artspezifisch passende Wassererwärmung, sichere Abdeckung oder Ausbruchsschutz, Messgeräte sowie eine Einrichtung, die zum Verhalten der Art passt. Wasserbewohner mit starkem Schwimmverhalten brauchen andere Strukturen als Arten, die lieber sitzen, laufen oder klettern.
- Großzügiger Wasserteil mit artspezifisch nutzbarer Tiefe und Länge statt rein dekorativem Wasserbecken.
- Vollständig trockener Sonnenplatz mit sicherem, leicht erreichbarem Aufstieg.
- Kräftige Filterung und praxistauglicher Zugang für Wasserwechsel und Reinigung.
- Messbare Temperaturen im Wasser und am Sonnenplatz statt bloßem Gefühl.
- Ausweichzonen, Sichtschutz und Ruheplätze, damit das Tier nicht permanent exponiert sitzt.
- Langfristige Planung für adulte Tiere und nicht nur für die erste Jungtierphase.
Wasserschildkröten belasten das Wasser durch Fütterung und Kot deutlich stärker als viele Fischbecken. Schlechte Filterung, zu kleine Becken oder unpraktische Reinigung führen schnell zu dauerhaft instabilen Verhältnissen. Wer nur ein kleines Aquarium ohne leistungsfähige Technik aufstellen möchte, plant für die meisten Wasserschildkrötenarten zu knapp.
Beleuchtung, UV Versorgung und Wärme
Viele häufig gehaltene Wasserschildkröten brauchen in Innenhaltung einen hellen Tag Nacht Rhythmus, einen klaren Wärmepunkt über dem trockenen Sonnenplatz und eine passende UVB Versorgung. Für die Produktauswahl sind bei ZooSky24 vor allem die Bereiche UV Lampen und Wärmelampen relevant.
UVB ist bei vielen tagaktiven Schildkrötenarten zentral für Vitamin D3 Bildung und Calciumverwertung. Wichtig ist dabei nicht nur die Wattzahl, sondern vor allem Abstand, Montage, Abschirmung durch Glas oder Kunststoff, Lampentyp und Wechselintervall nach Herstellerangabe. Eine Lampe über Glas bringt nicht denselben biologischen Effekt wie direkte, korrekt montierte UVB Versorgung. Wärme sollte nicht das gesamte Becken gleichmäßig aufheizen, sondern nutzbare Zonen schaffen.
Für eine kontrollierte Technikplanung sind Thermostate und Thermometer sinnvoll. Ein Aquaterrarium sollte nicht nach Vermutung betrieben werden. Entscheidend sind nachvollziehbare Messwerte im Wasser, am Sonnenplatz und in den kühleren Zonen.
Für die meisten klassischen Wasserschildkröten Setups steht nicht die Bodenheizung im Mittelpunkt, sondern die Kombination aus artspezifischer Wassertemperatur, trockenem Sonnenplatz, Wärmespot und UVB. Zusätzliche seitliche oder unterseitige Wärmequellen sind kein Ersatz für einen echten trockenen Sonnenbereich und müssen immer anhand von Beckenbauart, Produktfreigabe und Tierart geprüft werden.
Wasserqualität, Filterung und Reinigung
Wasserqualität ist bei Wasserschildkröten ein zentrales Haltungsthema. Die Tiere fressen, koten und bewegen sich im selben Wasser. Dadurch entstehen schnell Belastungen, wenn Beckenvolumen, Filterleistung und Wasserwechsel nicht ausreichen. Ein Filter sollte daher nicht nur nach Aquarienoptik, sondern nach tatsächlicher Belastung durch die Tiere ausgewählt werden.
Wasserwechsel, Filterpflege und Kontrolle der Temperatur müssen von Anfang an zum Alltag gehören. Futterreste sollten nicht liegen bleiben, und stark verschmutzte Bereiche müssen gut erreichbar sein. Auch ein schönes Aquaterrarium ist ungeeignet, wenn es sich im Alltag nicht sauber pflegen lässt.
Bei empfindlichen oder jungen Tieren sind sichere Ausstiege, keine starken Ansaugstellen, keine scharfkantigen Materialien und eine gut kontrollierte Wasserhöhe besonders wichtig. Die Einrichtung muss so geplant werden, dass Tiere nicht stecken bleiben, nicht unter Dekoration eingeklemmt werden und den Sonnenplatz zuverlässig erreichen.
Bodengrund, Einrichtung, Landteil und Struktur
Nicht jede Wasserschildkröte braucht denselben Bodengrund. In manchen Setups ist ein gut kontrollierbarer, weitgehend freier Boden hygienisch sinnvoll. In anderen sind strukturierte Uferzonen, größere glatte Steine, Wurzeln, Kork, Äste oder Pflanzen entscheidend, damit das Tier ruhen, klettern oder sich orientieren kann. Kleine verschluckbare Kiesel, scharfkantiges Material und instabile Stapelaufbauten sind problematisch.
Passende Materialien finden Sie bei Terrarium Bodengrund und in der Kategorie Terrarium Einrichtung. Für Wasserschildkröten ist besonders wichtig, dass der Landteil wirklich trocken, trittsicher und leicht erreichbar ist. Eine schwimmende Lösung wie das Zoo Med Turtle Dock kann je nach Becken und Tiergröße eine praxistaugliche Sonneninsel sein, ersetzt aber nicht die Prüfung von Tragfähigkeit, Platzangebot und Artanspruch.
Einrichtung ist bei Wasserschildkröten nicht bloß Dekoration. Sie steuert Verhalten. Starke Schwimmer profitieren von freien Bahnen. Strukturarten brauchen Unterstände, Kletterpunkte und sichere Zwischenebenen. Weibchen können je nach Art und Geschlecht zusätzlich einen geeigneten Eiablagebereich benötigen. Fehlt eine passende Ablagemöglichkeit bei reproduktiven Weibchen, kann das tierschutz und gesundheitsrelevant werden.
Fütterung, Calcium und Supplementierung
Wasserschildkröten sollten niemals pauschal mit einer einzigen Futterart versorgt werden. Je nach Art und Alter variiert der Bedarf zwischen stärker tierischer, gemischter und teils deutlich pflanzenorientierter Ernährung. Hochwertige Grundfutter, passende Ergänzungen und Abwechslung sind in der Praxis meist sinnvoller als einseitige Routinen. Bei ZooSky24 finden Sie dazu passende Bereiche für Reptilien Trockenfutter sowie Vitamine und Mineralstoffe.
Viele Haltungsprobleme entstehen durch falsche Schwerpunkte in der Fütterung: zu viele energiereiche tierische Komponenten, zu wenig pflanzliche Bestandteile bei omnivoren Arten, ungeprüfte Wildfänge als Futter oder einseitige Snackfütterung. Auch bei Ergänzungen gilt: Calcium, Vitamin D3 und Multivitamine müssen zum tatsächlichen UVB Setup, zur Art und zum Futterplan passen. Mehr Supplemente bedeuten nicht automatisch bessere Haltung.
Kontrollierte Fütterung kann mit passenden Futterpinzetten erleichtert werden, vor allem bei zielgerichteter Gabe einzelner Komponenten oder wenn Futterreste sauber entfernt werden sollen. Unabhängig vom Werkzeug gilt: Wasserhygiene und Futtermanagement gehören zusammen. Was gefressen wird, beeinflusst direkt die Filterbelastung und die Reinigungsintervalle.
Pflege, Hygiene, Beobachtung und Sicherheit
Wasserschildkröten sollten ruhig, planbar und hygienisch gepflegt werden. Dazu gehören regelmäßige Wasserwechsel, Filterpflege, Kontrolle von Sonnenplatz und Ausstiegen, Beobachtung von Panzer, Haut, Augen, Atmung, Fressverhalten und Aktivität sowie das zügige Entfernen von Futterresten. Ein schön eingerichtetes Becken nützt wenig, wenn verschmutzte Bereiche schlecht erreichbar sind.
Sicherheitsrelevant ist vor allem die Keimbelastung im Umfeld der Tiere. Schildkröten können Salmonellen übertragen, auch wenn sie gesund wirken. Deshalb gehören Händewaschen nach Kontakt, sauberes Arbeiten am Becken, getrennte Reinigungsutensilien und vorsichtiger Umgang mit Küchen oder Lebensmittelbereichen zu den wichtigsten Grundregeln. Für kleine Kinder, ältere Menschen und immungeschwächte Personen ist besondere Vorsicht geboten.
Warnzeichen, die nicht einfach ausgesessen werden sollten, sind dauerhaftes Nichtfressen, schiefe Wasserlage, Atemgeräusche, geschwollene Augen, stark aufgeweichte Panzerstellen, fehlende Nutzung des Sonnenplatzes, auffällige Apathie oder wiederkehrende Probleme mit Haut und Panzer. Solche Befunde gehören reptilienkundig tierärztlich abgeklärt.
Rechtliche Einordnung bei Wasserschildkröten
Wasserschildkröten sind rechtlich keine einheitliche Gruppe. Je nach Art, Herkunft, Nachzuchtstatus und Schutzkategorie können sehr unterschiedliche Vorgaben gelten. Vor Anschaffung, Abgabe, Umzug, Versand, Weitergabe oder Zucht müssen deshalb immer die konkrete Art sowie die aktuelle Rechtslage geprüft werden.
Artenschutzrechtlich können Wasserschildkröten je nach Art unter CITES beziehungsweise EU Artenschutzrecht fallen. Dann können Herkunftsnachweise, Bescheinigungen oder weitere Dokumente relevant werden. Zusätzlich sind für besonders geschützte Wirbeltiere je nach Art und zuständiger Behörde Melde und Nachweispflichten möglich. In der Praxis werden solche Vorgänge meist über die zuständigen Naturschutzbehörden der Länder oder Kommunen abgewickelt.
Besonders wichtig ist außerdem das Recht zu invasiven gebietsfremden Arten. Ein bekanntes Beispiel aus der Terraristik ist Trachemys scripta. Für Arten der Unionsliste können weitreichende Beschränkungen zu Besitz, Handel, Zucht, Transport und Freisetzung greifen. Auch Umsetzung und behördliche Praxis können zwischen Bundesländern und zuständigen Stellen Unterschiede aufweisen. Wer eine Schmuckschildkröte halten, übernehmen oder abgeben möchte, sollte den Status der konkreten Art deshalb immer vorab aktuell prüfen.
Unabhängig von der Art gilt: Das Aussetzen von Wasserschildkröten in die Natur ist fachlich falsch, tierschutzrelevant problematisch und kann rechtlich unzulässig sein. Wenn eine Haltung nicht fortgeführt werden kann, müssen legale und sichere Abgabemöglichkeiten genutzt werden.
Häufige Anfängerfehler
- Ein zu kleines Startbecken wählen und die adulte Endgröße auf später verschieben.
- Keinen vollständig trockenen Sonnenplatz anbieten.
- UVB falsch montieren, zu weit entfernen oder hinter Glas betreiben.
- Warme Wasserbereiche ohne nutzbaren Landteil und ohne Temperaturgefälle schaffen.
- Zu schwache Filterung und unregelmäßige Wasserpflege einplanen.
- Dauerhaft nur Snackfutter oder energiereiche tierische Kost füttern.
- Gruppenhaltung ohne Ausweichbecken, Sichtschutz und Stressbeobachtung versuchen.
- Eine rechtlich problematische Art kaufen, ohne Schutzstatus, Herkunft und Meldepflicht zu prüfen.
- Lebensdauer und Folgekosten für Technik, Strom, Wasser und Beckenupgrade unterschätzen.
- Weibchen ohne Prüfung möglicher Eiablageplätze halten.
FAQ zu Wasserschildkröten
Brauchen Wasserschildkröten immer einen trockenen Sonnenplatz?
Für viele häufig gehaltene Arten ist ein trockener, gut erreichbarer Sonnenplatz zentral. Dort trocknen die Tiere vollständig ab, regulieren ihre Körpertemperatur und nutzen Licht sowie UVB sinnvoll. Ein bloßer Stein knapp unter oder halb über Wasser ersetzt diesen Bereich nicht. Entscheidend ist, dass der Sonnenplatz wirklich trocken, stabil, sicher erreichbar und technisch korrekt beleuchtet beziehungsweise beheizt ist.
Reicht ein normales Aquarium ohne UVB und Wärmespot aus?
Für viele tagaktive Wasserschildkröten in Innenhaltung ist das kein dauerhaft sinnvolles Setup. Ein reines Aquarium ohne passende Licht und Wärmestruktur unterschätzt die biologische Rolle von Sonnenplatz, UVB und Temperaturgefälle. Vor allem bei Arten mit regelmäßigem Sonnenverhalten ist die Landzone mit Licht und Wärme ein Kernbestandteil der Haltungsplanung.
Sind mehrere Wasserschildkröten zusammen haltbar?
Das ist keine Standardempfehlung. Konkurrenz um Futter, Sonnenplätze, Ruhebereiche und territoriale Zonen wird häufig unterschätzt. Auch Tiere, die nicht offen kämpfen, können sich dauerhaft stressen. Für viele private Setups ist Einzelhaltung die planbarere und sicherere Lösung. Wenn Gruppen oder Paare erwogen werden, braucht es viel Platz, Struktur und eine sofort verfügbare Trennmöglichkeit.
Welche Rolle spielen Pellets, Frischfutter und Ergänzungen?
Hochwertige Pellets können ein sinnvoller Baustein sein, ersetzen aber nicht automatisch die artspezifische Gesamtplanung. Viele Wasserschildkröten profitieren von abwechslungsreicher Ernährung mit passenden tierischen und pflanzlichen Anteilen. Ergänzungen wie Calcium oder Vitaminpräparate sind kein Allheilmittel für Fehler bei UVB, Temperatur oder Grundfutter.
Sind Heizmatten für Wasserschildkröten sinnvoll?
Als Hauptwärmekonzept für klassische Wasserschildkröten Becken meist nicht. Im Vordergrund stehen normalerweise passende Wassertemperatur, ein trockener Sonnenplatz mit Wärmespot und korrekte UVB Versorgung. Zusätzliche Boden oder Seitenwärme kann nur im Einzelfall eine Ergänzung sein, wenn Beckenbau, Herstellerangaben und Tierart das sinnvoll erscheinen lassen.
Was muss ich rechtlich vor Kauf oder Abgabe prüfen?
Mindestens die exakte Art, den Schutzstatus, die legale Herkunft, vorhandene Dokumente, mögliche Meldepflichten und bei Schmuckschildkröten zusätzlich das Recht zu invasiven Arten. Gerade bei Trachemys Formen genügt es nicht, nur den deutschen Trivialnamen zu kennen. Wer eine Schildkröte übernimmt, sollte sich schriftliche Herkunftsunterlagen geben lassen und vorab die zuständige Behörde klären.
Warum ist Filterung bei Wasserschildkröten so wichtig?
Wasserschildkröten belasten das Wasser stark, weil sie im Wasser fressen, koten und Futterreste eintragen. Ohne passende Filterung und regelmäßige Wasserpflege kippt das Wasser schnell. Sauberes Wasser ist nicht nur optisch wichtig, sondern ein zentraler Gesundheitsfaktor.
Was sind Warnzeichen für Haltungsprobleme?
Warnzeichen sind unter anderem dauerhaftes Nichtfressen, Atemgeräusche, geschwollene Augen, schiefe Wasserlage, Panzerveränderungen, fehlende Nutzung des Sonnenplatzes, Apathie, Hautprobleme oder ungewöhnliches Verhalten. Solche Auffälligkeiten sollten nicht nur über Futterwechsel gelöst, sondern mit Wasserqualität, Licht, Wärme, Ernährung und tierärztlicher Abklärung zusammen betrachtet werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesumweltministerium, Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES, verwendet für die grundlegende Einordnung von CITES und international überwachten Handel.
- Bundesamt für Naturschutz, Genehmigungen und Bescheinigungen, verwendet für Hinweise zu artenschutzrechtlichen Dokumenten, Ein und Ausfuhr sowie Bescheinigungen.
- Bundesamt für Naturschutz, Art. 4 Unionsliste, verwendet für die Einordnung invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung und damit verbundene Beschränkungen.
- Bundesamt für Naturschutz, Reptilien, verwendet für die naturschutzfachliche Einordnung gebietsfremder Reptilien in Deutschland, insbesondere Trachemys scripta.
- ServicePortal Berlin, Artenschutz, besonders geschützte Tiere anmelden, abmelden und ummelden, verwendet als offizielle Beispielquelle für Meldepflicht, Nachweis der legalen Herkunft und Zuständigkeit lokaler Naturschutzbehörden.
- Merck Veterinary Manual, Management and Husbandry of Reptiles, verwendet für Temperaturgefälle, UVB, Beleuchtung, Haltungsgrundlagen und Hinweise zur Einzelhaltung.
- Merck Veterinary Manual, Nutrition in Turtles, verwendet für artspezifische Ernährungsunterschiede, pflanzliche Anteile und altersabhängige Futterverschiebungen.
- MSD Veterinary Manual, Nutritional, Metabolic, and Endocrine Diseases of Reptiles, verwendet für Risiken einseitiger Ernährung, insbesondere Vitamin A und Thiaminmangel.
- VCA Animal Hospitals, Housing Aquatic Turtles, verwendet für Sonnenplatz, UVB, sauberes Wasser, Filterung, Wasserteil und Sicherheit bei Einrichtung und Substrat.
- VCA Animal Hospitals, Feeding Aquatic Turtles, verwendet für Futtervielfalt, altersabhängige Ernährung, Fütterung im Wasser und Supplementierung.
- Centers for Disease Control and Prevention, Salmonella Outbreak Linked to Small Turtles, verwendet für Hygiene, Salmonellenrisiko, Handwaschen, Küchensicherheit und verantwortungsvolle Abgabe statt Freisetzung.
Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber wurde nach bestem Wissen anhand der genannten Quellen erstellt. Die Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr und ersetzen keine tierärztliche Diagnose sowie keine behördliche oder rechtliche Einzelfallprüfung. Haltungswerte, Meldepflichten, Artenschutz, Gefahrtierregelungen, Sicherheitsanforderungen und Gesundheitsrisiken können je nach Art, Herkunft, Bundesland und Einzelfall abweichen. Bitte prüfen Sie die konkreten Anforderungen vor Anschaffung, Haltung, Verkauf oder Weitergabe immer artspezifisch und aktuell.